Kreisimkerversammlung mit dem Thema Varroabekämpfung
 
Ganz der Varroabekämpfung war die Jahreshauptversammlung des Kreisimkervereins Hochrhein-Hotzenwald gewidmet. Die Veranstaltung fand am 30. Juni 2012 am Lehrbienenstand des Imkervereins Hauensteins statt.
 
Mit Ausnahme von Australien ist die Milbe zwischenzeitlich weltweit verbreitet und lebt in quasi jedem Bienenvolk. Die ersten Milben im Hauensteiner Vereinsgebiet wurden 1984 festgestellt. Nach einer Umfrage des Bieneninstitutes Mayen lagen die deutschen Bienenverluste im Winter 2011/2012 bei 22%. Bei dieser Befragung bildeten Bayern und Baden-Württemberg die Spitzenreiter und lagen deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Eine Befragung bei unseren Schweizer Nachbarn kam sogar zum traurigen Ergebnis von 26% (siehe ADIZ 07/2012 Seiten 10-11).
 
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Zu diesem wichtigen Thema konnte die Kreisvorsitzende Anita Böhler den Fachberater für Imkerei am RP Freiburg, Herrn Armin Spürgin begrüßen. Herr Spürgin beschränkte sich nicht nur darauf, sein Wissen in vortragender Weise zu vermitteln, sondern führte die verschiedenen Methoden auch praktisch am Bienenvolk vor.
 
Den etwa 100 anwesenden Imkern aus den 15 Vereinen des Kreises wurde erklärt, dass nur mit einer konsequenten, rechtzeitigen und sachkundigen Bekämpfung der Milbe hohe Winterverluste weitgehend vermieden werden können.
 
2012 06 30-Kreisimker3Varroabekämpfung ist eine kollektive Aufgabe. Da Bienen im Spätsommer teilweise "vagabundieren" bzw. schwache Völker ausräubern, kommt es immer zur Einschleppung von Milben aus fremden Völkern. Nicht behandelte Völker in der Nachbarschaft führen somit auch in sorgfältig behandelten Völkern zum erneutem Milbendruck (Reinvasion). Werden varroageschädigte Völker gar ausgeräubert kann der Milbeneintrag besonders erheblich sein. Den Imkereivereinen wurde deshalb empfohlen das nötige Wissen auch den heute nicht anwesenden Imkern (ob Mitglied oder nicht) in geeigneter Form zu vermitteln.
 
Mit Ausnahme biotechnischer Maßnahmen (z.B. Drohnenbrutentnahme) darf jegliche Milbenbekämpfung (auch mit rückstandsfreien Mitteln) erst nach der letzten Honigernte erfolgen. Somit ist das Wissen über den Befallsgrad eine wichtige Information, für das Festlegen des eigenen Saisonendes. Um die Bienenvölker vor dem Tod zu retten muss bei starkem Milbenbefall erforderlichenfalls das Warten auf eine potentielle Waldtracht abgebrochen werden.
 
2012 06 30-Kreisimker4Zur Befallsdiagnose wurden zwei Neuerungen vorgestellt.
 
Die einfache und etablierte Variante, den natürlichen Milbenbefalls mittels einer eingelegten Windel zu bestimmen, wird häufig durch Milben wegtragende Ameisen verfälscht. Dies kann in einfacher Weise mit in Salatöl getränktem Küchenrollenpapier verhindert werden. Dazu wird eine ganze Küchenrolle in einer dichten (!) Plastiktüte mit einem 3/4 Liter (kleine Rolle) oder 1 Liter (große Rolle) Salatöl getränkt. Die so präparierten Rollen sind haltbar und deren Blätter werden als Unterlage für die Windeln verwendet. Ameisen meiden für mindestens 3-4 Tage den Kontakt mit der Windelauflage. Die Zählungen in diesem Zeitraum sind unverfälscht. Diese einfache Methode zeigt allerdings nur die Tendenz.
 
2012 06 30-Kreisimker7Zur exakten Befallsdiagnose wurde die bienenfreundliche "Puderzuckermethode" vorgeführt. Dieses interessante Verfahren ist ausführlich in der ADIZ 08/2011 (Seiten 7-9) beschrieben und wurde den Hauensteiner Imkern auch schon bei der Schulung im letzten Monat vorgestellt.
 
Nach dem Abschleudern hat sich im Spätsommer die Behandlung mit Ameisensäure bewährt. Diese Aussage gilt ausdrücklich nicht für jede der zum Teil sehr unterschiedlichen Applikationsformen.
 
2012 06 30-Kreisimker2Empfohlen wird das Verdunsten von 85%iger Säure mit dem Liebig-Dispenser. Dieses kommerzielle Produkt hat gegenüber der "gebastelten" Variante des Tellerverdunsters (Medizinflasche, Untersetzer, Holzklotz, Papierhandtuch) einige Vorteile. Für das einheitlich hergestellte Produkt gibt es eine ausführliche Anleitung. Dank dem standardisierten Dochtpapier können Richtwerte für dessen Größenanpassung bei verschiedenen Temperaturen in verschiedenen Beutensystemen empfohlen werden. Über die eingedruckte Skala in der Flasche kann der potentielle Erfolg über die Verdunstungsleistung realistisch eingeschätzt werden. Im Gegensatz zu anderen Dispensern kann/soll die Befüllung schon zu Hause erfolgen, so dass am Bienenstand nicht mit offener Säure hantiert werden muss.
Auf Nachfrage wurde das MOT-Verfahren (Medizinflasche, Holzklotz, Holzfaserplatte) ausdrücklich nicht empfohlen. Hier wird die gleiche Menge Säure wie beim Tellerverdunster bzw. Liebig-Dispenser in sehr kurzer Zeit ins Bienenvolk abgegeben. Wegen der kurzfristig sehr hohen Säurekonzentration in der Stockluft kann es wesentlich schneller zu Bienen- bzw. Königinnenverlusten kommen. Wie bei jeder "Kurzzeitbehandlung" wird auch bei MOT die in den Brutzellen geschützte Milbenmasse schlechter erreicht. Spätestens die zweite Behandlung sollte deshalb mit dem Tellerverdunster oder natürlich noch besser dem Liebig-Dispenser erfolgen.
 
2012 06 30-Kreisimker10Für die Winterbehandlung im brutfreien Zustand wurde eine der beiden zugelassenen Oxalsäure-Präparate empfohlen (Oxuvar von Andermatt Biovet und Oxalsäuredihydrat-Lösung 3,5 % ad us. vet. vom Serumwerk Bernburg). Wenn es zu warm ist (> 5 Grad C) sitzen die Bienen allerdings für eine gute Wirksamkeit nicht eng genug in der Wintertraube. Da die Oxalsäure (wie die meisten Mittel) nur die aufsitzenden Milben erreicht, müssen die Völker brutfrei sein. Als Indikator für eine mögliche Brutfreiheit können die von den Stockwaagen ins Internet übermittelten Brutnesttemperaturen herangezogen werden. Bei Temperaturen um die 15 Grad C ist das Brutgeschäft normalerweise eingestellt. Wird die Brutfreiheit im Vereinsgebiet festgestellt sollten die lokalen Imker durch den Verein informiert werden.
 
2012 06 30-Kreisimker9Als effektive biotechnische Maßnahme zur Milbenreduktion während der Saison wurde noch der "Drohnenrahmen" vorgestellt. Gegenüber dem etablierten "Baurahmen" kann damit eine höhere "Milbenernte" erfolgen (siehe auch den Vergleich in der ADIZ 04/2012 Seiten18/19). Wichtig ist, dass der "Drohnenrahmen" nicht sofort nach der Verdeckelung, sondern erst nach der Verpuppung der Drohnenbrut, geschröpft wird. Die zeitliche Toleranz liegt damit niedriger als beim "Baurahmen" und beträgt zwischen Einhängen und Schröpfen genau drei Wochen.
 
Die um 14 Uhr gestartete Veranstaltung endete gegen 18 Uhr. Der Wettergott war einsichtig, so dass das für die Besucher aufgebaute Zelt nur als Sonnenschutz gebraucht wurde.
 
 
 
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