Jahresausflug zur Imkerei der Familie Riche
in Traubach le Bas im Elsass 
 

Frühmorgens startete die Fahrt am 29. Juli 2012 bei regnerischem Wetter Richtung Elsass. Schon bald lichteten sich die Wolken und rechtzeitig zur Besichtigung der Imkerei Riche stellte sich trockenes Wetter ein. Die Familie Riche imkert in der 3. Generation. Aus kleinen Anfängen ist ein Familienbetrieb entstanden, der vom Sohn auf 800 Völker ausgebaut wurde. Die Imkerei wird praktisch nur von ihm betrieben und ist daher auf eine sehr rationelle Betriebsweise ausgelegt.Jahresausflug-2012-1

Abseits vom Ort wurde eine Halle zur Aufnahme der Beuten, der Fahrzeuge und einem Raum für die Königinnenzucht erstellt. Am Stammsitz im Ort ist der Schleuderraum, das Honiglager und der Verkaufsraum. Jahresausflug-2012-6Geimkert wird mit Magazinbeuten im Dadantmaß (Fläche ca. 1,44 fach DN). Generell wird nur ein Magazin als Brutraum genutzt. Die Waben und Zargen für den Honigraum sind als Halb- Dadantmaß ausgelegt. Überwiegend wird ein Absperrgitter eingesetzt. Seit einigen Jahren wird mit der Kaukasierbiene geimkert (Apis mellifera caucasica). Riche bezeichnet diese Rasse als sehr sanft und schwarmträge. In dieser Beziehung wären sie wesentlich besser als die Carnica. Die Kaukasiche Biene wäre sehr gut in Gegenden mit mildem Klima, in kalten Gegenden wäre sie anfällig für Nosema. Blütentracht nutze sie wegen des längeren Rüssels besser als die Carnica. Jahresausflug-2012-0Für seine Betriebsweise sei die Kaukasische Biene optimal. Nach dem Krieg habe man von der Dunklen Biene zur Carnica und dann zur Buckfast Biene gewechselt. Die Buckfast Biene ist im Elsass weit verbreitet. Der Einsatz dieser Biene sei bei Riche aber zu einer „Katastrophe“ geworden, da sich die Kunstrasse sehr schnell degeneriert habe und wilde „Stecher“ eine Arbeit als Berufsimker unmöglich gemacht habe. Zur Behandlung gegen die Varroa-Milbe wird Amitraz von Schering verwendet. Kunststoffstreifen werden in dem flüssigen Behandlungsmittel getränkt und flach auf die Brutwaben gelegt. .AS setzt er nicht ein. Der Völkerverlust wegen Varroa wurde mit ca. 30 % angegeben. Riche züchtet jährlich ca. 350 Königinnen, die er in einem Brutschrank brütet und in der Regel vor dem Schlüpfen als schlupfreife Zelle in einen Ableger einsetzt. Die Ableger bildet er bei der Halle. Zur Überwinterung bringt er die Ableger nach Südfrankreich, wo sie sich ohne Zufütterung entwickeln. Jahresausflug-2012-7Die Völker sind auf 15 Standorte zu je ca. 50 Völker verteilt. Größere Völkerzahlen würden die Gefahr von Bienenkrankheiten stark ansteigen lassen. Schwärme werden nicht eingefangen und als Verlust einkalkuliert. Jährlich rechnet er mit 150 Schwärmen. Auch die abgeschwärmten Völker bringen im Schnitt noch 20 kg Honig. Die Kaukasierbiene schwärme nur ein Mal, sie schwärme nicht so extrem wie die Carnica, bei der noch Nachschwärme abgehen. Bei der Honigwabenentnahme setzt er ein (Laub) Gebläse ein um die Bienen rationell von der Wabe zu treiben. In der neuen Halle ist ein Werkstattraum mit allen wesentlichen Holzbearbeitungsmaschinen eingerichtet. Als gelernter Schreiner fertigt Riche alle Magazine, sowie Ablegerkästen und Einrichtungen wie Pollenfallen selbst. Unter dem großen Vordach der Halle werden die geschleuderten Honigwaben in kreuzweise übereinander gestapelten Magazinen gelagert. Jahresausflug-2012-8Durch den Luftzug wird das Befallen mit Wachsmotten verhindert. Zu sehen waren nur unbebrütete Honigwaben. Im Betrieb im Ort ist der Schleuderraum und das Honiglager. Zur Schleuderung ist eine halbautomatische Anlage aufgebaut, mit der durch zwei Bediener bis zu 4 Tonnen Honig pro Tag geschleudert werden können. Die Waben werden in der Entdeckelungsmaschine mit 2 Messern beidseitig entdeckelt und auf eine Zuführbahn zu Schleuder abgelegt. Von der Bahn können die Waben direkt in die Radialschleuder eingeschoben werden, die 60 Waben aufnimmt. Jahresausflug-2012-3Der Honig wird abgepumpt und über ein Filter geführt. Das Entdeckelungswachs wird durch eine Förderschnecke in eine Zentrifuge gefördert, wo der anhaftende Honig abgetrennt wird. Ca. 10 –15 % der Honigernte fallen an der Zentrifuge an. Der Honig wird in 200 Liter Fässer gelagert. Blütenhonig wird 10 % feinkristalliner Rapshonig zugemischt und gerührt, um eine cremige Konsistenz zu erreichen. In allen Räumen sind Hebezeuge/Krane vorhanden, um die schweren Teile und Fässer zu bewegen.Jahresausflug-2012-2

Ein großes Sortiment ihrer Honige und nur selbst erzeugter Produkte aus Honig, Wachs, Pollen und Propolis wird in dem großzügigen Verkaufsraum angeboten. Mit Frau und den Eltern ist die gesamte Familie mit der Herstellung und dem Verkauf von Honig, Lebkuchen, Bäckereien, Met, Wachskerzen usw. beschäftigt. Jede Woche werden Waren auf 2-3 Märkten in der Region angeboten. Zunehmend wird auf Bestellungen über Internet geliefert. Für uns als Besucher wurde eine großzügige Tafel mit dem Produktprogramm der Imkerei angeboten. Das Angebot zur Verkostung von Met, für uns eher seltene Honigsorten und allerhand Süßigkeiten wurde gerne genutzt. Der Preis für Honig war in etwa auf dem Preisniveau wie bei uns angeordnet. Zur Freude der Imkerfamilie nutzten viele die Gelegenheit zum Kauf. Manche gefüllte Plastiktüte wurde zum Bus getragen.

Jahresausflug-2012-5Für uns Hobbyimker war die Besichtigung der Imkerei ein Einblick in „das Imkern in einer anderen Welt“. Imponierend, wie die Familie ihre Existenz auf der Leistung der Bienen begründet. Manche für uns zuerst überraschende, für manche auch unverständliche Auskunft, lässt sich aber aus dem Betriebskonzept der Imkerei erklären. Alles ist auf eine einfache und damit rationelle Betriebsweise ausgerichtet. Wenn die Völker in bis zu 400 km Entfernung stehen und auf 15 Standorte verteilt sind, erfordert das ein anderes Imkern, als wir es gewohnt sind, die schnell mal zum Bienenhaus laufen können. Das klare Konzept des Imkers erscheint logisch, wenn auch seine dolmetschende Mutter wohl nicht immer seiner Meinung war, was man aus ihren Anmerkungen zu seinen Ausführungen entnehmen konnte. Ihre Generation hat wohl noch eher nach der uns bekannten Betriebsweise geimkert.

Nach der Besichtigung ging es nach Masevaux zur Hostellerie Alsacienne, wo wir erwatet wurden und unser vorbestelltes Mittagessen zügig serviert wurde. Mit der Wahl der Gaststätte konnten wir sehr zufrieden sein. Unser Vorsitzender hatte ja schon Tage vorher „zur Probe gegessen“.

Jahresausflug-2012-4Frisch gestärkt ging es durch die großen Maisfelder des Elsass in Richtung Grenze nach Ottmarsheim, wo die achteckige Romanische Abtei besichtigt wurde. Ein Führer erklärte uns die Architektur, die wechselhafte Geschichte und die besonderen Sehenswürdigkeiten in der Kirche. Das Gebäude wurde im 11. Jahrhundert nach dem Vorbild der Aachener Pfalzkapelle gebaut. Bei einem Brand 1991 wurde die Orgel vernichtet und die Wände und Fresken mit Brandrückständen verschmutzt. In den 1990er-Jahren konnten die Schäden beseitigt und teilweise verdeckte Fresken freigelegt werden, so dass der Zustand nun besser als vor dem Brand ist. Beeindruckend waren die durch Säulen getragene Kuppel und die Wirkung des Raums durch die achteckige Grundstruktur des Chorumgangs, sowie die teilweise im Originalzustand erhaltenen Fresken.

Nach der Besichtigung traten wir den Heimweg an. Im Gasthaus „Zur Eiche“ in Binzgen wo der Abschlusshock stattfand, gab es noch einmal lebhafte Diskussionen über die bei dem Ausflug gewonnenen Eindrücke.

Alles in allem ein gelungener Ausflug und ein schöner, informativer Tag. Besonders bedankten sich die Ausflügler bei Bernward Lohr für die Arbeit, die er bei der Organisation des Ausflugs hatte. Neben vielen Telefonaten war er extra zwei Mal ins Elsass gereist, um das Mittagessen zu organisieren.

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