Der Imkerverein auf Wanderung im Schweizer Jura
14 Mitglieder auf den Spuren des heiligen Fridolin

Die diesjährige Wanderung führte uns am 29. September in den Schweizer Kanton Solothurn. Tourenleiter Erwin Ebner hatte eine für den Jura typische Wanderung geplant. In der eigentlich sanft hügeligen Landschaft gibt es steile Abbrüche mit nacktem Fels, die vor einigen Millionen Jahren durch die Jurafaltung entstanden sind.

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Die Rundwanderung startete unterhalb der Schlossruine Gilgenberg mit dem Anstieg zu der Ruine. Im Innenhof mit den Restmauern und dem Schlossturm ist eine Überdachung eingebaut. Auf diesem Platz werden kulturelle Veranstaltungen wie Burgfestivals mit Musik, Mittelaltermarkt und Rittermahlzeiten durchgeführt. Der Erlös dient zum Unterhalt der Ruine, die einer Stiftung gehört. Nach der Besichtigung der Ruine wanderten wir ein kleines Tal aufwärts. Nach kurzer Zeit lichtete sich der Wald und einige malerische Waldwiesen an einem Bachlauf tauchten auf. Eine größere Gruppe Kinder und Eltern zelteten dort und waren gerade beim Frühstücken am Lagerfeuer. Verführerischer Kaffeeduft wehte zu uns herüber und weckte bei einigen Teilnehmern schon das Verlangen nach einem Kaffee. Im Wald ging es nun relativ sanft aufwärts, bis es nach einer Stunde Gehzeit steiler wurde. Auf befestigten Treppenstufen und teilweise mit Sicherungsketten gesichertem Weg ging es über eine mit Lichtgitterroste belegte Brücke zum Portiflue. Der Gipfelkopf des Portiflue (876m) ist durch eine tiefe Schlucht vom Berg getrennt und nur über die Brücke zu erreichen. Auf dem Portiflue machten wir Halt und konnten von dieser freistehenden Stelle aus weiträumig in die Landschaft des Jura schauen.

2013 09 29 Bergwanderung03Nach einer kleinen Stärkung ging es auf dem gleichen Weg wieder ein Stück zurück und dann in freier Landschaft einem kleinen Bergrücken zu. Nach etwa zwei Stunden Gehzeit war der Hügel mit einigen Häusern erreicht. Dabei war auch eine Gaststätte mit der üblichen Schweizer Fahne auf der einladenden Terrasse. Es war Licht in der Gaststube, sie musste also geöffnet sein. Besonders bei den Imkerfrauen, aber nicht nur bei ihnen, kam sofort der Wunsch nach einem schönen Schweizer Schümli -Kaffee auf. Trotz bitten und betteln nach einer Einkehr blieb unsere Tourenleiter Erwin hart. „ Mir muend erst emol eweng laufe, bevor mer ichehre. Mer chöne jez it scho halt mache. Es chöme no gnueg Wirtschafte“. Er sagt‘s und ging weiter. Was blieb den Kaffeeliebhabern anderes übrig, als in der Hoffnung auf eine baldige weitere Einkehrmöglichkeit hinterher zu trotten.

Zum Trost ging es nun auf einem bequemen Wanderweg und später auf einer befestigten Straße erst mal leicht bergab, bis nach ca. einer weiteren halben Stunde ein Wanderweg bei einem Einzelgehöft von der Straße abgehen sollte. Ein Wanderweg war aber in der ganzen Umgebung nicht zu sehen. Für unseren Wanderführer kein Problem, hatte er doch eine entsprechend genaue Geländekarte dabei und konnte anhand der Höhenlinien routiniert die Richtung bestimmen. Auf einer Viehweide ging es querfeldein dem Wald zu. Nicht ganz so trittfeste und nicht gegen Brennnessel und Dornen sicher gekleidete Teilnehmer kamen allerdings etwas verzögert im Wald und auf dem wiedergefundenen Wanderweg an. Bald ging es nun zügig bergan, bis der Einstieg zur Fridolinsschlucht erreicht war. Erwin mahnte zur besonderen Vorsicht und Aufmerksamkeit beim Abstieg. Wir hatten zwar Glück, dass der Fußweg, der bald einem Bergweg wich, trocken war. Bei feuchtem Wetter wäre der Weg „nicht ganz ohne“. Manch einem Teilnehmer flößte eine doch stark abfallende Stelle sichtbaren Respekt ein. Vorsichtig tasteten sie sich Schritt für Schritt weiter. Unten angekommen konnten wir den Wasserfall bewundern. Der etwa 25 m hohe, von Einheimischen Friedli-Fall genannte Wasserfall, gefriert in strengen Wintern komplett zu und bildet eine Eiswand. Er wird dann zu einem beliebten Treffpunkt für Eiskletterer. Nachdem wir hinter dem Wasserfall durchgingen, wurde direkt daneben unter einer überhängenden Felswand eine Rast eingelegt und gevespert. Nach der verdienten Pause ging es auf Trittstufen steil die Schlucht hoch. Etwa auf halber Höhe kamen wir zur Fridolinsquelle. Die Quelle soll eine Heilquelle sein. Sie ist nach dem in unserer Gegend bestens bekannten heiligen Fridolin benannt, der ja auch in Säckingen gewirkt hat.

2013 09 29 Bergwanderung01Erwin berichtete von einer Sage, nach der der heilige Fridolin mit 2 Kälbern in die Quellöffnung hineingegangen und in Säckingen anschließend mit zwei ausgewachsenen Rindern wieder aufgetaucht sei.

Neben der Quelle ist in einer Felsnische eine kleine Statue des heiligen Fridolin mit seinem Zeugen Urso aufgestellt. Nach einer Legende hat der heilige Fridolin den toten Urso erweckt, damit er vor Gericht bezeugen konnte, dass Urso ihm die Fridolinsinsel bei Säckingen und Ländereinen in Glarus geschenkt hatte. Dies hatte Landolf, der Bruder von Urso, bestritten. Landolf war von dem Auftritt des heiligen Fridolin mit Urso vor Gericht so beeindruckt, dass er ihm auch seine Ländereien im Kanton Glarus schenkte. Daher ist der heilige Fridolin nicht nur Schutzpatron des Kanton Glarus sondern auch Schutzpatron vor Erbschleicherei.

Der weitere Aufstieg aus der Schlucht war schweißtreibend. Oben angekommen konnte nun auf Waldwegen durch Mischwälder mit zumeist gratnahen Wegen die hügelige Landschaft des Jura mit seinen kleinen Streusiedelungen und Einzelgehöften bewundert werden. Bei herrlichem Wanderwetter konnten wir die schöne Aussicht genießen. Nach etwa 5 Stunden Gehzeit waren wir dann auf dem Hirnichopf (1024 m) angelangt. Dort wurde die letzte Rast eingelegt. Nur der Kaffee fehlte noch. Unser Tourenleiter meinte, dass es nun nur noch eine halbe Stunde durch den Wald abwärts gehe, dann wäre die Berggaststätte Meltingerberg erreicht. 2013 09 29 Bergwanderung02Frisch motiviert ging es durch den Wald nach unten. Vom Waldrand aus war sie schon auf dem Hügel gegenüber zu sehen, die nächste (und letzte ) Wirtschaft auf dem Rundweg unserer Wanderung. Erwin ging immer schneller. Bald hatte er einen gehörigen Vorsprung und kam vor der Wirtschaft an. Ob er für uns vorab bestellen wollte? Vor der Wirtschaft sprach er mit einem Paar. Wir hörten von weitem nur Fragmente des Gesprächs. Was wurde da gesprochen? „ Herzinfarkt“, „Wirt“, „geschlossen “. Leider hatten wir uns nicht verhört. Erwin kam uns entgegen und berichtete, dass der Wirt am Vortag einen Herzinfarkt hatte und daher die Wirtschaft geschlossen war. Nichts war es mit dem lang ersehnten Schweizer Kaffee.

Mit dem Ziel in Sicht, der Schlossruine Gilgenberg , nahmen wir das letzte Teilstück in Angriff, dass uns über eine Viehweide und ein Waldstück an den Ausgangsort, dem Parkplatz unter der Ruine zurück führte.

Alle waren sich einig, dass wir bei idealem Wanderwetter eine schöne Tour erlebt hatten, die einige Höhepunkte bot und auf einem Großteil der Strecke eine schöne Aussicht auf die Landschaft des Jura ermöglichte. Für fast alle Teilnehmer war es die erste Wanderung im Juragebiet und bot damit interessante neue Eindrücke.

Da wir ja nicht weit von unserer Heimat entfernt waren, beschlossen wir, gleich bis nach Niederhof zum Gasthaus Engel durch zu fahren. Wie hatte Erwin bei seiner Einladung geschrieben: Außer den notwendigen Dingen könne man auch alles mitnehmen, was man sonst noch herumtragen wolle. Den separaten Geldbeutel mit Schweizer Franken hatten wir auf dieser Wanderung jedenfalls ungenutzt herumgetragen. Kein einziges „Fränkli“ wurde bei unserem Aufenthalt in der Schweiz ausgegeben.

Wohlbehalten kamen wir im Gasthaus Engel an. Für die meisten Teilnehmer war nun der Wunsch nach dem Genuss eines Kaffes nicht mehr so dringend. Sie bestellten gleich einen „Hopfentee“ und eine entsprechende Stärkung. Damit konnte dann die Wanderung auch gebührend abgeschlossen werden.

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