Hauensteiner Imker als "Romanhelden"

Die Grafschaft Hauenstein wurde tatsächlich nie von einem Grafen regiert, sondern war innerhalb der Habsburger Monarchie, über viele Jahrhunderte mehr oder weniger demokratisch selbst verwaltet. Die hohe Gerichtsbarkeit oblag allerdings einem vom Kaiser bestellten "Waldvogt". Als das Kloster Sankt Blasien die Rechte der Hauensteiner einschränken wollte, kam es im 18. Jahrhundert zu Unruhen auf dem Wald. Die Bevölkerung teilte sich in zwei Lager. Die fundamentalistischen "Salpeterer" wollten eine Wiederherstellung der alten Rechte ohne Kompromisse, während die kompromissbereiten "Ruhigen" beispielsweise bereit waren, für die Wiederherstellung der alten Rechte zu bezahlen. Die Positionen beider Lager wurden im Laufe der Zeit immer unversöhnlicher und endete in offener Feindschaft. Diese erste Phase der sogenannten Salpetererunruhen dauerte von 1726, mit der Reise des Salpetersieders Johann Friedolin Albiez (genannt Salpeterer-Hans, Vater von Fridli und Jakob) zum Kaiser nach Wien, bis ins Jahr 1755, als die Anhänger der radikalen Salpeterer in das Bannat in Ungarn verbannt wurden.  

troendle-josefAuf diesen Ereignissen basiert das Buch "Die Salpeterer“ von F. Stocker (erschienen 1892 in der Buchhandlung Zimmermann Waldshut). Im Kapitel 3 "Die Söhne des Salpeterers" sind Fridli und Jakob am Nachmittag des 28. Juni 1719 beim imkernden Müller und Einungsmeister der Einung Birndorf Josef Tröndle in Unteralpfen zu Gast. Ein paar Jahre später gehörten die Beteiligten dann den zwei unversöhnlichen Lagern an und dürften spätestens ab da keinen freundschaftlichen Umgang mehr gepflegt haben.

Kapitel 3: Die Söhne des Salpeterers

Man unterhielt sich über einen Bienenschwarm, der „gestossen“ hatte. Bei der Besichtigung des Bienenständers war man der Abwesenheit des Schwarmes gewahr geworden. Der Müller sprach davon, wie man des Schwarmes habhaft werden könnte und wo sich derselbe gesetzt haben möchte.

“O, dafür weiß mein Bruder Jakob Rath!“ sagte der Jüngere der beiden fremden Burschen, ein Kerlchen von zwölf Jahren mit klugen Augen. „Der besitzt ein sicheres Mittel, Schwärme zu bannen und in seine Gewalt zu bekommen.“
„Der Schwätzer!“ sagte Jakob ärgerlich.
Der Müller lachte. „Du wirst mir dreist dein Geheimnis anvertrauen; ich will Dir gerne ein hübsches Trinkgeld dafür geben.“Muehle Unteralpfen 2
„Ja, rede Jakob ! Weis uns das Mittel!“ sagten die Umstehenden.
Der Angeredete schwieg einen Augenblick, dann sagte er: „Die Sache ist sehr einfach; mein Vater, den ihr ja wohl kennt, der Einungsmeister zu Buch, hat mir das Mittel gelehrt: Sobald ich weiß, in dem oder jenem Baum hat sich ein Bienenschwarm niedergelassen, so klopfe ich mit einem Stein vorsichtig an den Baumstamm, um denselben zu untersuchen, wie der Doktor, wenn er einen Kranken untersucht. Habe ich dann die hohle Stelle gefunden, so spüre ich bald heraus, wie groß sie ist und wie weit sie geht; nun suche ich mir die Öffnung, die mir geeignet erscheint, die Bienen herauszutreiben. Vor diese binde ich, nachdem ich alle übrigen Löcher sorgfältig verstopft habe, einen Sack mit einer Laufschlinge.“
„Ei der Tausend!“ sagte der Einungsmeister, „ich bin ein erfahrener Mann, aber darauf wäre ich mein Lebtag nicht verfallen. Aber Jakob, wie bringst du nun den „Imb“ dazu, in deinen Sack hinein zu kriechen?“

Bienenschwarm„Die Sache ist nun wieder sehr einfach,“ entgegnete der Sohn des Einungsmeisters von Buch. „Unten an der Höhlung bohre ich mit meinem Messer ein kleines Loch, nehme eine Tabakspfeife, in die ich Tabak oder Nussbaumblätter und dürres Laub stopfe. Ich halte die Pfeife an das Loch, blase den Rauch tüchtig hinein und zwinge damit die Bienen, den Rückzug anzutreten. Sie kriechen zu der Öffnung, die ich gemacht habe hinaus und in meinen Sack hinein; ist er gefüllt, so ziehe ich die Laufschlinge zu und ich habe den Schwarm gefangen. Damit habe ich schon manch schönes Stück Geld verdient.“

„Jakob, du bist ein gescheiter Bursche, ganz der Einungsmeisters Sohn,“ sagte der Müller, „Du wirst noch einmal dein Glück machen. Komm mit in die Stube, wir wollen ein Glas Wein trinken, Dein Rat ist etwas wert und ich bin Dir dankbar dafür.

Zur zweiten "imkerlichen" Szene am Ende des Kapitels muss man wissen, dass eine Königin sich nicht selbst ernährt. Sie wird von den Arbeiterinnen gefüttert und bekommt dabei auch keinen Honig sondern den mit Eiweiss angereichterten Futtersaft "Gele Royale" zu fressen. Das in der Szene verwendete Honigbrot kann also bestenfalls zum "festkleben" der Königin und nicht zu deren Stärkung gedient haben.

Später am Nachmittag auf dem Heimweg nach Buch gerieten die Brüder mitten im Wald in ein starkes Unwetter. 

Ausschnitt Chodowiecki BaseDa plötzlich fuhr ein heftiger Blitzstrahl hernieder, und im gleichen Momente durchfuhr ein gellender Schrei die vom Regen gepeitschte Luft. War war das? Da Geschrei eines Tieres? Unmöglich! So schreit nur ein Mensch, wenn er sich in höchster Gefahr befindet. Es müssen Menschen in der Nähe sein. Das Waldesdunkel und der Regen hinderten, etwas deutlich zu sehen.
„Vorwärts Fridli! Es ist jemand in hoher Gefahr! Raffe dich auf! Wir müssen Hife zu bringen suchen!“
Der Zuruf Jakobs machte auch den jüngeren Bruder munter, der schon zu ermatten schien. Mit erneuerten Kräften arbeiteten sie der Stelle entgegen, von wo der Hilferuf ausgegangen zu sein schien. Plötzlich mündete der Richtpfad, den die beiden Brüder der Kürze wegen gegangen waren, in ein Fahrsträßchen ein, das, vom Blitze erhellt, leicht erkennbar war. Hier bot sich ein eigentümliches, ein erschreckendes Schauspiel. Der Sturm hatte etwas nachgelassen und ließ die Szene leicht überblicken. Mitten im Weg lag ein gesatteltes Pferd, das, von einem Schwarm Bienen umschwärmt, sich bäumte und heftig mit den Füßen ausschlug. Daneben stand ein Reitersmann, hoch und kräftig, der ebenfalls von den Stichen und Angriffen des Schwarmes sich zu wehren versuchte, so gut es ging. Nebenan bäumte sich, von Stichen verletzt und unruhig gemacht, ein zweites Pferd, darauf eine junge Dame saß, die mit aller Anstrengung ihrer jugendlichen Kraft sich im Sattel zu halten bemühte. Aber die Bienen waren immer rasender geworden und drohten von dem einen Pferd auf das andere überzugehen und dort ihr Zerstörungswerk fortzusetzen. Die Dame war in tödlicher Angst und sie war es, die jenen Schrei ausgestoßen, der die beiden Brüder zur Hilfe herbeigerufen hatte. Sie kamen zur rechten Zeit.
Salpeterer Haus Fridolin AlbietzBeinahe verendend, wälzte sich das Pferd des Reiters auf dem Boden. Jakob eilte herzu und warf seinen Getreidesack vom Kopfe zurück, allein sofort wurde auch er von den Bienen umschwärmt. Aus deren lautem Summen erkannte er den Grad ihrer Gereiztheit und auch die Gefahr. Hier hieß es Klug sein. Schon saßen die Bienen ihm im Gesicht und auf den Händen. Die Stiche waren heftig und zahlreich. Mit Gewalt ließ sich hier nichts ausrichten. Die Anwendung von gewalttätigen Mitteln hieße nur ihre Reizbarkeit und Rachsucht auf’s Höchste steigern. Hier musste ein anderes Mittel helfen. Es gab ja ein solches; er hatte ja vor kaum einer Stunde von den Bienen gesprochen; er musste ein Mittel kennen. Halt! Wie ein Blitz ging es ihm durch das Gehirn! Ja das ist’s! er hatte die Rettung gefunden.
„Herr!“ rief er dem Reiter zu – es war der Waldvogt und seine Tochter- „ich werde euch helfen! Aber vor allem bleibt ruhig und wehret Euch nicht° Ihr Fräulein, erlaubt, dass ich um völlige Ruhe bitte! Wendet eure Gesichter zu Boden und stört mich nicht, in dem was ich tue!“
Die Pferde waren fortwährend unruhig und wehrten sich mit aller Kraft gegen das Bienenvolk. Fridli wagte sich nicht in die Nähe und der Freiherr gehorchte mechanisch.
„Fridli,“ rief nun der ältere Bruder, „reiche mir dein Honigbrot, ich glaube, die Bienenkönigin hat sich soeben auf meinen Wams gesetzt!“
Das Bürschchen nahm seinen Quersack vom Kopfe, zog ein Stück Brot aus der Tasche, steckte es vorsichtig an einen nassen Weidenzweig und reichte es seinem Bruder herüber. Dieser ergriff behutsam die augenscheinlich sehr ermattete Bienenkönigin bei den Flügeln und setzte sie auf den Honig; dann befahl er Fridli einen Kieselstein oder überhaupt einen Stein zu suchen und denselben an den Steigbügel des einen Pferdes zu schlagen, als es nur in seinen Kräften liege.
Ausschnitt -ruches-troncs-a„So, jetzt gib deine Musik los!“ rief er ihm zu. Unter Zittern und Zagen näherte sich der Kleine dem Pferde, das seinen Sattel längst abgeworfen und Sattel, Gurt und Riemen der Steigbügel zerrissen hatte. Fridli nahm die beiden losen Steigbügel und schlug sie unter Schreien und Pfeifen so heftig aneinander, dass dadurch ein markdurchdringender Lärm entstand. Voll Staunen betrachteten die beiden fremden Personen dieses Schauspiel, in welchem Jakob den Kleinen immer noch zu vermehrtem Lärm aufforderte. Aber mit eben dem selben Staunen betrachteten die beiden in Gefahr stehenden die Wirkung dieses Lärms. Jakob hielt das Brot, das entzweigeschnitten und mit Honig bestrichen war, hoch über seinem Haupte. An die Stelle, wo die Königin sich gesetzt hatte, kamen andere Bienen und immer mehr kletterten an dem Brote herum, das bald nur noch einem Klumpen glich, so zahlreich hatten sich die Bienen daran um ihre Königin gesammelt und daran gehängt. Zuletzt hatte alle Bienen Pferd und Reiter verlassen und sich in immer dichteren Scharen an den Klumpen geklammert. Nun war der Moment gekommen, gegen die Bienen den entscheidenden Schlag zu tun. Jakob befahl seinem Bruder, seinen Sack herbei zu bringen. Der Kleine gehorchte und hob den geöffneten Sack langsam in die Höhe, während Jakob seine Hand ebenso langsam sinken ließ. Allmählich brachte er den Klumpen in den sperrweit geöffneten Sack, schüttelte kräftig die Hand und warf in einem Augenblick die Bienen hinein. Mit derselben Raschheit band er den Sack zu und die gefährlichen Feinde waren gefangen.
 
Dann wandte sich der junge Mann zu dem Freiherrn: „So, Herr, ihr seit von diesen lästigen Tieren befreit. Herr Gott, die haben euch gräulich zerstochen! Reicht euer Tuch her, ein Salpeterer hat immer ein Mittel gegen solche Schmerzen.“ Und damit griff der junge Mann in seine Seitentasche und goß aus einem Fläschchen Amoniak auf das von dem Freiherrn dargereichte Tuch. „So, jetzt reibt euch das Gesicht und Hände damit ein; das wird euch gut tun!
 
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